Hospitaliter-Kommende-Südbaden e.V.

 

Die Ordensritter der Neuzeit

 

Artikel in der BZ 19.02.2013

Drei Männer sind ganz fasziniert vom Maltesertum.  

     

  1. Hospitaliter Kommende Südbaden Foto: Jutta Schütz

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MARKGRÄFLERLAND. Bei Roland Korpel aus Grißheim und Dietmar Schneckenburger aus Waldkirch bekommt man keinen Termin, vielmehr wird "eine Audienz gewährt". Die beiden und Michael Jürgens aus Wasser bei Emmendingen haben die Hospitaliter Kommende Südbaden ins Leben gerufen, eine Interessensgemeinschaft, um auf historischen Märkten, Mittelalterfestivals, Orts- und Stadtjubiläen die mittelalterlichen berittenen Sergeanten des Ordens zu präsentieren. Einen ersten Auftritt gab es schon in Eschbach vor Weihnachten auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt.

Die Idee, das Hobby der Beschäftigung mit mittelalterlichen Orden zu vertiefen, kam durch die Recherchen der Geschichte von Heitersheim: Ritter Gottfried der Jüngere von Staufen hat im Jahr 1272 das Gut von Heitersheim und weitere kleinere Güter dem Johanniterorden gestiftet. Die Johanniter vereinigten in den folgenden 100 Jahren Weinstetten, Bremgarten, Grißheim und Schlatt zu einer größeren Herrschaft und hatten von 1335 an in Heitersheim eine eigene Komturei. Das bedeutete, dass Einkünfte aus Kirchen- und Klostervermögen auf den Ritterorden übertragen wurden. "Die Johanniter" gründeten sich 1099 nach dem ersten Kreuzzug in Jerusalem, nach der Umsiedlung des Ordens im 14. Jahrhundert nach Rhodos und Malta nannte man sie auch "Malteser", informiert Schneckenburger.

Roland Korpel (48), Dietmar Schneckenburger (60) und Michael Jürgens (45), der bei Auftritten als Verwalter und Koch für die beiden Berittenen fungiert, haben sich auf die mittelalterliche Bedeutung der Johanniter festgelegt. Dazu gehöre, dass sie sich in Büchern, Schriften und dem Internet forschten, sich über die authentische Kleidung, Regeln, Verhaltensweisen, Strafen, aber auch die Ordens- und Kriegsführung informierten. "Wir sind kein Fasnachtsverein, sondern wir wollen nah’ an der damaligen Realität dran bleiben", erklärt Korpel. Er kramt aus einer Kiste verschiedene "Gewandungsteile" hervor, während Schneckenburger drei unterschiedliche Schilde mit dem Malteserkreuz an einen Schrank lehnt und Schwerter auf einem Tisch platziert.

Die Kleidung haben die Hobby-Ritter selbst hergestellt – bis auf die Kettenhemden und Kettenhauben. Auch die Schwerter stammen aus Tschechien. Gerade hat Schneckenburger nach alten Abbildungen die ersten Schuhe aus Leder angefertigt. "Schnitte für die Johanniter-Kleidung im Internet zu finden, ist nicht einfach – die Briten und Franzosen sind, was die Vorlagen für historische Gewandungen angeht, viel weiter", haben die beiden beobachtet. Korpel zieht eine " Bruche" an, eine Art "Obelix-Unterhose", darüber kommen "Beinlinge". Es folgt ein Leinenhemd, ein "Gambeson", ein Rüstungsteil, das aus mehreren Lagen Leinen besteht, darüber der Wappenrock mit dem aufgenähten Johanniterkreuz, die wattierte Kappe, die unter den Kettenschutz des Helms gezogen wird und der Helm. Kettenbeinlinge, Sporen und ein Kettenhemd vollständigen die Ausstattung.

"Insgesamt konnte die Ausrüstung 50 Kilogramm wiegen, plus Rittergewicht, da brauchte man dann riesige Pferde", sagt Schneckenburger. Er ist Stukkateurmeister, handwerklich also versiert und kann inzwischen solide Schilde bauen. Seine Lebensgefährtin hat er mit seinem Hobby angesteckt, sie hat einen Mittelalter-Bedarfshandel in Waldkirch eröffnet. Bei Korpel wird aus dem Metall eines Heizöltanks ein Dolch, aus dem Kupfer einer Elektroleitung eine Fibel. Ein Logo – mit der in Syrien gelegenen berühmten Kreuzritterburg Krak des Chevalier – haben sich die Ritter ebenso zugelegt wie ein eigenes Siegel. "Wenn wir Hilfe suchen, gibt es die große Gemeinschaft der authentisch Darstellenden. Die werden immer mehr", erzählt Roland Korpel, der genauso wie seine Mitstreiter an Wochenenden auch gerne in Orte zieht, wo es eng ans Mittelalter angelehnte Darstellungen seitens verschiedener Akteure gibt. Passende Namen haben sich die Drei auch schon zugelegt: Korpel nennt sich "Roland vom Scharphenstein" , Schneckenburger "Robert de Chateau" und Jürgens "Michael von Glimpenau".



 

 Zeitungsbericht Historischer Weihnachtsmarkt Eschbach

Anno Domini 2013

 

Rund um das Castell haben sich Kräuterfrauen und Korbflechter, Handwerker und Holzschnitzer, Musikanten und Märchenerzähler, Gewandmeisterinnen und Gaukler eingefunden. Die Templerkomturei Freiburg und die Hospitaliter Kommende Südbaden haben mit Zelten ihr Winterlager aufgeschlagen, Bauern bieten ihre Waren feil.

 

 

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